Wusstest du, dass die Kirchenglocken in Frankreich am Ostermontag nach Rom fliegen? Oder dass Frauen in Polen und Tschechien eine besondere und manchmal nasse Überraschung erwartet?
Ostern ist das wichtigste Fest der Christen und wird weltweit gefeiert. Doch die Traditionen könnten unterschiedlicher kaum sein.

Von den fliegenden Glocken in Frankreich über das gigantische Omelett in Bessières bis hin zu den feuchten Traditionen Osteuropa. Hinter jedem dieser Bräuche steckt eine Geschichte, die Gemeinschaft, den Frühling und die Auferstehung feiert.
Statt nur bunte Eier zu suchen, tauchen wir heute in die skurrilsten und faszinierendsten Osterbräuche ein, die unsere Welt zu bieten hat. Vielleicht inspiriert dich ja der eine oder andere Brauch für dein nächstes Osterfest!
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Die fliegenden Glocken Frankreichs und das Riesen-Omelett
In Frankreich bringt nicht der Osterhase die Eier, sondern die Kirchenglocken. So erzählt man es den Kindern: Am Gründonnerstag fliegen die Glocken symbolisch nach Rom, um den Segen des Papstes zu holen.
Auf ihrem Rückflug am Ostersonntag verlieren sie dabei Süßigkeiten und bunte Eier über den Gärten, die die Kinder dann suchen dürfen. Diese charmante Erklärung ist eine typisch französische Variante der Eiersuche.
Noch spektakulärer wird es im südfranzösischen Bessières. Hier wird am Ostermontag ein gigantisches Omelett aus 5.000 bis 15.000 Eiern in einer riesigen Pfanne über offenem Feuer zubereitet.
Dieser Brauch soll aus der napoleonischen Zeit stammen und wird als Symbol der Freundschaft und des Teilens zelebriert.
Das Omelett wird anschließend an Einheimische und Touristen verteilt – ein kulinarischer Höhepunkt, der weit über die Region hinaus bekannt ist.
Der „nasse Montag“ und der „Peitschen-Montag“ in Osteuropa
In Polen, Ungarn und Teilen der Slowakei wird der Ostermontag besonders feuchtfröhlich gefeiert. Traditionell begießen junge Männer Frauen mit Wasser, ob aus einem Eimer, mit Wasserpistolen oder Wasserbomben.
Dieser Brauch, der „Śmigus-Dyngus“ oder einfach „nasser Montag“ genannt wird, soll den Frauen Gesundheit, Schönheit und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr bringen. Als Dank erhalten die Männer oft bunt bemalte Ostereier.
Ein weiterer ungewöhnlicher Brauch ist in Tschechien und der Slowakei verbreitet. Am Ostermontag, dem sogenannten „Peitschen-Montag“, ziehen Männer mit geflochtenen Weidenruten (genannt „pomlázka“) von Haus zu Haus.
Sie schlagen die Frauen und Mädchen damit symbolisch leicht auf die Beine und den Rücken. Dies soll ihnen Jugend, Gesundheit und Vitalität übertragen. Im Gegenzug werden die Männer mit bemalten Eiern, Schokolade oder einem Schluck Schnaps belohnt.
Auch wenn es für Außenstehende seltsam wirken mag, handelt es sich hier um einen alten Frühlingsbrauch mit wohlwollender Absicht.
In Finnland und Schweden verkleiden sich Kinder zu Ostern als freundliche „Osterhexen“ (schwedisch: „Påskkärring“).
Mit Kopftüchern, Röcken und oft einem Besen ziehen sie von Haus zu Haus, überreichen selbstgemalte Osterkarten und sammeln dafür Süßigkeiten. Dieser Brauch erinnert an den alten Volksglauben, dass Hexen in der Osterzeit besonders aktiv seien.
In Finnland gibt es zudem eine andere, recht urwüchsige Tradition: Am Palmsonntag schlagen sich Familienmitglieder mit Birkenruten leicht auf den Rücken.
Dies soll an die Palmwedel beim Einzug Jesu in Jerusalem erinnern und gleichzeitig Glück für das neue Jahr bringen. In Norwegen wiederum gehört etwas ganz anderes zu Ostern: das Lesen von „Osterkrimis“ („Påskekrim“).
Es ist eine nationale Tradition, dass Fernsehsender Krimiserien ausstrahlen und Verlage spezielle Krimiromane für die Osterfeiertage veröffentlichen. Eine gemütliche Art, die Feiertage zu verbringen!
Großbritannien: Eierrollen und Irland: Heringsbegräbnis
In Teilen Großbritanniens, insbesondere in Schottland und Nordengland, wird ein uralter Brauch gepflegt: das Eierrollen („Egg Rolling“).
Hart gekochte, bunt bemalte Eier werden einen Hügel hinuntergerollt. Das Ei, das am weitesten rollt, ohne zu zerbrechen, gewinnt. Das Rollen symbolisiert das Wegrollen des Steins vom Grab Jesu und ist ein fröhliches, geselliges Spiel.
Auf der anderen Seite der Irischen See findet ein sehr spezieller Brauch statt: das Heringsbegräbnis. In einigen Regionen Irlands wird am Ostersonntag symbolisch ein Hering begraben.
Damit markiert man das Ende der strengen Fastenzeit, in der traditionell viel Fisch, aber kein Fleisch gegessen wurde.
Das „Begräbnis“ des Herings ist also ein humorvoller Abschied von den Entbehrungen und ein Willkommen für das wieder erlaubte Fleisch auf dem Teller.
Griechische Ostern: Rote Eier und spektakuläre Feuerwerke
In Griechenland, wo Ostern das wichtigste Fest des Jahres ist, gibt es einige besonders eindrucksvolle Bräuche.
Das erste Osterei wird traditionell knallrot gefärbt, als Symbol für das Blut Christi und den Sieg über den Tod. Oft nimmt die älteste Frau der Familie dieses rote Ei und fährt damit den Kindern über die Wange, um sie mit Gesundheit und Stärke zu segnen.
In manchen Regionen Griechenlands wird die Auferstehung Christi mit enormer Lautstärke gefeiert. In Dörfern wie Leonidio auf dem Peloponnes oder auf der Insel Chios finden in der Nacht zum Ostersonntag spektakuläre Feuerwerke oder sogar sogenannte „Raketenkriege“ zwischen rivalisierenden Kirchgemeinden statt.
Tausende selbstgebastelte Raketen erleuchten den Nachthimmel in einem atemberaubenden Spektakel, das Freude und Triumph ausdrücken soll. Ein aufsehenerregender Kontrast zu den stillen Momenten der Karwoche.
Farbenfrohe Traditionen in Lateinamerika und auf Bermuda
In Antigua Guatemala verwandeln sich die Straßen zu Karfreitag und Ostern in riesige, wandelbare Kunstwerke. Gläubige legen wochenlang kunstvolle „Alfombras“ (Teppiche) aus bunten Sägespänen, Blüten, Früchten und Sand.
Über diese vergänglichen Meisterwerke ziehen dann feierliche Prozessionen mit schweren Holzfiguren. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis des Glaubens und der Gemeinschaftsarbeit.
Ein fröhlicheres Bild bietet sich auf Bermuda. Am Karfreitag steigen hier hunderte selbstgebastelte, meist achteckige Drachen aus buntem Papier in den Himmel. Das Drachensteigen ist ein fröhliches Familienereignis und soll symbolisch die Auferstehung Christi darstellen.
Der bunte Himmel über der Insel ist ein unvergesslicher Anblick und zeigt, wie vielfältig die Freude über Ostern ausgedrückt werden kann.
Und in Deutschland? Vertrautes mit tiefen Wurzeln
Bei uns in Deutschland feiern wir Ostern oft mit vertrauten Bildern: dem Osterhasen, der bunte Eier versteckt, dem Osterfeuer, das den Winter vertreibt, und dem Backen von Osterlämmern.
Diese Bräuche verbinden auf schöne Weise christliche Symbole. Das Lamm als Zeichen für Jesus, das Ei für Auferstehung mit alten Frühlingsritualen. Sie stehen für Familie, Neuanfang und Freude.
Wie du siehst, ist Ostern auf der ganzen Welt ein Fest, das Menschen verbindet auch wenn die Wege, es zu feiern, manchmal verrückt, skurril oder einfach wunderschön anders sind.
Vielleicht ist das die wahre Botschaft: Gemeinschaft, Hoffnung und die Freude über das Leben zu feiern, jeder auf seine ganz eigene Weise.
